TAH-Serie (1.Folge Verein)

Lebenshilfe Holzminden

ein Verein,

der sich seit 50 Jahren für die Interessen von Menschen mit Behinderung einsetzt

 

März 1965, der für einen Vortrag angemietete Saal ist gut gefüllt. In den Stuhlreihen sitzen Eltern von Kindern und Jugendlichen, die eine geistige Behinderung haben. Der Redner, Herr Tom Mutters, Gründungsmitglied der Bundes-vereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, hält einen Vortrag über die unerwarteten Erfolge in der Betreuung mit geistig behinderten Kindern in Holland.

In Deutschland sind diese Kinder bis dato als nicht bildungsfähig eingestuft. Für viele Eltern ein Hoffnungsschimmer. Allein die Tatsache, dass man mit gleichermaßen betroffenen Angehörigen in einen Austausch kommt und sich gemeinsam für die Belange der behinderten Kinder einsetzt ist schon eine kleine Revolution. Waren diese Eltern doch bislang isoliert, ohne Rechte, voller Zukunftsängste für ihre Kinder und häufig gesellschaftlich isoliert.

Dieser Tag ist die Geburtsstunde der Lebenshilfe in Holzminden. Spontan schließen sich 52 Teilnehmer zum Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, Kreisvereinigung Holzminden e.V. „ zusammen, im Mai 1965 folgt der Eintrag in das Vereinsregister.

Die gute Idee hat sich schnell herum-gesprochen, schon bald kann der Verein mehr als 100 Mitglieder zählen, darunter auch der Landkreis sowie Gemeinden und Städte als kooperative Mitglieder. Gemeinsam will man möglichst schnell Betreuungs- und Bildungsangebote für diese Kinder und Jugendlichen schaffen, wie es zu dieser Zeit in vielen Orten in der Bundesrepublik geschieht. Am Anfang begann man mit einer stundenweisen Betreuung in angemieteten Räumen in Eschershausen. Schon 1972 wurde der Grundstein für den Bau der Tagesbildungsstätte in Holzminden im Fasanenflug gelegt.

Hier sollten Kinder und Jugendliche in kleinen Gruppen Kindergarten- und auch Schulerfahrungen bekommen. Von nun an geschah eine rasante Entwicklung. Bereits im Dezember 1972 trat die Lebenshilfe der Harz-Weser-Werkstätten GmbH als Gesellschafter bei, um auch für jugendliche und erwachsene Menschen mit einer Behinderung Betreuungs-, Bildungs- und Arbeitsangebote vorzuhalten.

Im Jahr 1979 eröffnete die Lebenshilfe Holzminden die mobile Frühförderung, die speziell die jüngsten Kinder bis zum 3. Lebensjahr und ihre Familien fördern und beraten sollte.

1987 kam der Sprachheilkindergarten als neues Angebot für Kinder mit einer Sprachbehinderung hinzu. Eine größere fachliche Angebotspallette machten mehrmals weitere Um- und Erweiterungs-bauten und den Erwerb weiterer Gebäude nötig. Ein besonderes Highlight in der Vereinsgeschichte war die Teilnahme an der "Expo 2000 Hannover" als dezentrales Projekt. Heute ist der Verein ein leistungsfähiger sozialer Träger mit einer breit aufgestellten Angebotsspektrum, die aus der Betreuungs-  und Bildungslandschaft des Landkreises nicht mehr wegzudenken ist. Spezielle Angebote für Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen, schwerpunktmäßig vom frühesten Kindes- bis zum Jugendalter, werden vorgehalten.

Dazu zählen, neben dem Kindergarten und der Frühförderung, der Sprachheilkindergarten, der "Kindergarten am Wald",die integrative Krippe, eine Regelgruppe, sowie das Angebot der Heilpädagogischen Familienhilfe und der offenen Sprachberatung.

Der als gemeinnützig anerkannte Verein mit heutigem Sitz in Stadtoldendorf ist immer noch ein Verein von betroffenen Eltern, aber auch von Freunden und Förderern.